Gibt es eine evangelische Kunst?

Bericht über den Vortrag von Barbara Pfeuffer am 21.2.2017 in der Anna-Kirche Höchstädt

In dem Vortrag ging es um die Frage, ob und inwieweit sich die Lehre Martin Luthers auf die bildende Kunst ausgewirkt hat. Nicht erst der Reformator sah den Widerspruch von Wort (biblischer Botschaft) und Bild (Illustration der Bibel). Seit dem Späten Mittelalter wurde Kritik an allzu phantasievoller Kunst laut, die sich von der offiziellen kirchlichen Lehre entfernte und dem subjektiven Gestaltungswillen des Künstlers entsprach. Martin Luther bestand auf der Priorität des Wortes und hatte keine besondere Beziehung zur bildenden Kunst. Fanatische Protestanten verstanden dies als Aufruf, die Kirchen von Kunst zu „reinigen“. Es kam zum „Bildersturm“, den Luther eindämmen konnte. Ein besonders aufwändiger Schmuck der Kirchen erschien  dem Reformator jedoch nicht vonnöten, und so verlor die Kunst allmählich ihr Hauptbetätigungsfeld, zumindest in protestantischen Gegenden. Dabei taten sich neue Freiräume für die Entwicklung einer autonomen Kunst ohne kultische Funktion auf. Eine ausgesprochen „evangelische“ Kunst konnte sich trotz der im Dienst der Reformation arbeitenden Cranachwerkstatt nicht entwickeln.

Als Beispiel für eine vom evangelischen Geist geprägte Kunst mag das Schaffen Rembrandts stehen, der immer wieder seine Nähe zu Paulus und die Passion Christi thematisierte. Ohne Reglementierung durch die Kirche (Bilderverbot im calvinistischen Holland) gelangte hier bereits die Kunst zu einer neuen Freiheit in Ausdruck und Gestaltung. Seit dem 19. Jahrhundert setzte sich die individuelle Kunstsprache des einzelnen Künstlers durch, die vom Betrachter ein neues, aktives Sehen fordert, d.h. die geistige Auseinandersetzung mit der Botschaft aus Form und Farbe. Religiöse Inhalte sind heute nicht ausgeschlossen,  werden aber,- unabhängig von konfessionellen Bindungen- , neu interpretiert. Abschließend wurde betont, dass wir unsere heute im Grundgesetz garantierte freie Kunst letztlich auch der Forderung des Reformators nach Freiheit des Einzelnen im Denken und Handeln zu verdanken haben.